Neues Zeitalter, neue Regeln? Europa zwischen Fortschrittsglauben und Regulierungswahn.

04.11.2019 , 19:00 Uhr

Festsaal der IV
1031 Wien , Schwarzenbergplatz 4

Neue Regeln für ein neues Zeitalter
Matthias Beck, Michael Hirschbrich und Dorothee Ritz diskutierten bei den „Trends 2030“ über Chancen und Herausforderungen durch Digitalisierung und künstliche Intelligenz. Im Anschluss wurde der „Dr. Alois Mock-Europa-Preis“ verliehen.

Ein technikaffiner Unternehmensgründer, ein christlich geprägter Ethik-Professor, eine Managerin aus einem Technikkonzern, ein brandaktuelles Digitalisierungs-Thema und die ehrwürdige Atmosphäre des „Haus der Industrie“ am Wiener Schwarzenbergplatz: Das waren die prickelnden Zutaten für die letzte Ausgabe der „Trends 2030“ des Alois Mock Instituts im heurigen Jahr – und eine Diskussion, wie sie packender und abwechslungsreicher kaum hätte sein können. Unter dem Titel „Neues Zeitalter. Neue Regeln?“ ging es um die großen Fragen des Mensch-Seins genauso wie um konkrete Forderungen zur Regulierung digitaler Geschäftsmodelle. Es war ein konstruktiver Schlagabtausch zwischen jenen unterschiedlichen Zugängen, die die Frage nach der Freiheit im digitalen Zeitalter auch im täglichen Leben so komplex machen – mit inspirierenden Denkanstößen, verständlichen Erklärungen  und einem trotz allem optimistischen Ausblick in die Zukunft. Im Anschluss an die Diskussion wurde der „Dr. Alois Mock-Europapreis“ an Österreichs ersten EU-Kommissar Franz Fischler überreicht. 

„Wir haben einen spannenden Abend mit spannenden Programmpunkten vor uns“, freute sich Gerhard Karner, 2. Präsident des NÖ Landtags & Vorstandsmitglied im Alois Mock Institut, gleich zu Beginn der Veranstaltung. Walter Troger, Geschäftsführer der VAMED Standortentwicklung und Engineering GmbH, betonte in seinen Grußworten die Bedeutung des Fortschrittes in seiner Branche: „Digitaler Wandel hat in der Arbeit im Medizinbereich viel Veränderung gebracht – es gibt unzählige neue Möglichkeiten, die das Leben von Menschen entscheidend verbessern und verändern können.“

Matthias Beck, Universitäts-Professor für Moraltheologie an der Universität Wien, sorgte dafür, dass der Blick auf die ethischen Aspekte bei allem Ruf nach mehr Fortschritt nicht zu kurz kamen. Für ihn ist vor allem eines wichtig: „Wir brauchen mündige Bürger, die die Technologien und Systeme aktiv mitgestalten. Denn je mehr von Algorithmen gesteuert und beeinflusst wird, desto wichtiger ist die Frage: Wer programmiert unsere Computer?“, so Beck. Auf der technik-affinen Seite teilt Dorothee Ritz, General Managerin von Microsoft Österreich die Forderung nach einem vernünftigen Umgang mit dem digitalen Fortschritt, betont aber zugleich: „Wir dürfen nicht in Panik verfallen und überreagieren. Besonders in Hinblick auf Regulierungen ist es wichtig, dass diese den Fortschritt fördern und nicht behindern.“ Der Geschäftsführer des auf Künstliche Intelligenz spezialisierten US-Unternehmens updatemi Michael Hirschbrich wünscht sich vor allem einen Perspektivenwechsel im gesellschaftlichen Diskurs: „Wir sind Gestalter dieser Technologien und des Wandels – und keine Opfer und passiven Konsumenten einer Entwicklung. Dieses Selbstverständnis und Selbstbewusstsein brauchen wir ganz dringend.“

Lösungsansätze für ein erfolgreiches Wandeln am schmalen Grat zwischen Fortschrittsglauben und Regulierungswahn suchten die Experten wie so oft in der Bildung. Die Kombination aus technischem Grundverständnis und Auseinandersetzung mit den theologisch-philosophischen Daseinsfragen wären die ideale Kombination, um den technologischen Wandel besser verstehen, einschätzen und gestalten zu können – so die Annahme. Um junge Frauen mehr als heute zu Gestalterinnen der Digitalisierung zu machen, brauche es Vorbilder und die Formulierung von Perspektiven über die technische Komponente hinaus, die deren Interessen ansprechen. Sehr konkret formuliert hat Michael Hirschbrich die Forderung nach eigenen Gesetzen für die digitale Ökonomie, die deren Geschäftsmodellen Rechnung tragen. Denn, soweit bestand Einigkeit: Regulierungen braucht es, es sei aber entscheidend, sie so zu gestalten, dass sie den Menschen nutzen und ihre Interessen schützen, ohne den Fortschritt zu behindern.

Die „Trends 2030“ boten diesmal den Rahmen für die Verleihung des „Dr. Alois Mock-Europa-Preises“ 2018 und 2019 durch den Präsidenten der „Dr. Alois Mock Europastiftung“ Landesrat Dr. Martin Eichtinger. Der Preisträger für 2018, DI Dr. Franz Fischler, EU-Kommissar a.D. und Präsident des Europäischen Forum Alpbach war vor Ort und durfte sich neben dem Preis auch über eine besondere Laudation freuen: „Das Wirken von Franz Fischler kennzeichnet einerseits seine tiefe Überzeugung, dass ganz Europa zu einer Einheit berufen ist, auf der anderen Seite stehen seine christlich-demokratische Grundanschauung und die ökosoziale Marktwirtschaft. Das sind für mich die drei erkennbaren Pfeiler“, betont Nationalratspräsident Andreas Khol a.D.

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