Arbeit. Zwischen notwendigem Übel & brennender Selbstverwirklichung.

23.10.2017 , 19:00 Uhr

General Aviation Center, Flughafen Wien-Schwechat
1300 Schwechat, Steinriegelweg

 

Beruf: Wo liegt die Zukunft der Arbeit?

Am Podium des Alois Mock Instituts zu den „Trends 2030 – Arbeit“ diskutierten Experten aus Arbeitsmarkt und Recht darüber, was Menschen im Job wichtig ist und wie Arbeitgeber sowie Arbeitnehmer auf die Veränderungen des Arbeitsalltags reagieren sollten

Die Digitalisierung wird viele Jobs kosten. Der Beruf muss für Menschen sinnstiftend sein. Es gibt zu wenig Facharbeiter. Viele wollen einfach nicht arbeiten. Diese Thesen und viele mehr wurden im General Aviation Center am Flughafen Wien-Schwechat diskutiert. Das Alois Mock Institut lud ein, um den Begriff Arbeit zu definieren und dessen Bedeutung in der Gesellschaft von morgen auf den Grund zu gehen.

Vorstandsdirektor der Flughafen AG, Dr. Günther Ofner, begrüßte die Gäste der Podiumsdiskussion gleich mit einer erschreckenden Zahl: „Welches Thema könnte aktueller sein als Arbeit? Letzten Winter gab es fast eine halbe Million Arbeitslose in Österreich.“ Am Beispiel des Flughafens, wo 20.000 Menschen beschäftigt sind, nimmt Ofner gleich eines der großen Themen des Abends vorweg: „Die Digitalisierung ist bei uns schon sehr weit fortgeschritten und es werden trotzdem mehr Mitarbeiter.“ Der Vorstandsdirektor ist sich sicher, dass Arbeit nicht nur Lebensunterhalt bedeutet: „Letztlich geht es um Selbstbewusstsein, um Erfolgserlebnisse und um Selbstverwirklichung.“

Auch für Innenminister und Präsident des Alois Mock Instituts Wolfgang Sobotka ist das Diskussionsthema ein äußerst wichtiges, gerade weil, so Sobotka, für Alois Mock es immer ganz entscheidend war, wie sich Arbeit weiterentwickeln wird. Auch der Innenminister bekräftigt Ofners Worte darin, dass es bei Arbeit nicht nur um reinen Gelderwerb gehe: „Arbeit ist Sinn und Orientierung in einem menschlichen Leben.“ Sobotka spricht weiter von einer Wende der Demografie. „Es wird nicht mehr den zentralen Begriff der Arbeit geben und auch mit der Arbeitszeit werden wir uns auseinandersetzen müssen“, führt Sobotka aus.

Unter dem Term „Arbeit“ verstehen die Podiumsdiskutanten Unterschiedliches. Für den Psychologen Dr. Mag. Georg Fraberger ist dessen Arbeit auch Hobby. Dr. Johannes Kopf, Vorstandsmitglied des AMS Österreich, erwähnt etwas bei der Definition, was in seiner Sicht oft vergessen wird: „Hier möchte ich auch sagen was fehlt, wenn man keine Arbeit hat. Das ist auch Ansehen, Sozialprestige und Selbstwertgefühl.“ Wolfgang Mazal, Professor des Arbeitsrechts, kritisiert hingegen, dass viele Arbeiten gar nicht als Arbeit anerkannt seien: „Wir alle sollten offen sein, wichtige Tätigkeiten als Arbeit anzusehen.“

Adele Siegl ist die Jüngste der Runde. Ihr ist vor allem die Community am Arbeitsplatz wichtig. Sie arbeitet als Fahrradbotin bei foodora, wo sie 2017 einen Betriebsrat gründete. Nach einigen Jobs stellte die Studentin fest, dass es in jedem Job Negatives gibt. Deshalb dauernd den Beruf zu wechseln gehe aber nicht, so Siegl. „Es gibt überall etwas zu bekritteln. Da muss man wo stehenbleiben und mal etwas ändern!“

Auch die bestehenden Arbeitsgesetze wurden teilweise hinterfragt. KR Andreas Schauer, Zentralbetriebsvorsitzender bei Umdasch (DOKA Amstetten) ist aber sicher, dass das Arbeitsverfassungsgesetz nur Rahmenbedingungen bilden würde. „Dann kommt es wieder auf die handelnden Menschen an, die Rahmenbedingungen richtig zu deuten.“

Ein weiteres Problem der Debatte spricht Harald Weiss, Geschäftsführer von Belfor Österreich, in seinem Impulsstatement an. Denn es würde immer schwieriger werden, Fachkräfte zu finden. Bei Belfor sind im Moment 46 offene Stellen ausgeschrieben. „Wir finden das Personal am Markt nicht, das wir brauchen. Wenn Sie heute in Wien eine Installateursstelle ausschreiben, dann haben sie das Problem, dass Sie von 10 Bewerbungen nur 2 Facharbeiter dabei haben“, zeigt Weiss die viel zu häufig fehlende Qualifikation auf.

Einigen konnten sich alle Diskutanten, dass es für eine gute Performance im Job auch Motivation und etwas Sinnstiftendes braucht. „Die meisten denken erst an den Sinn, wenn der Körper im Spital versagt. Denn auch viel zu verdienen, kann einen hohen Preis haben“, sagt Fraberger, der im AKH als Arzt arbeitet.