Trends 2030 – Teilzeit: Das neue Vollzeit?

24.09.2019 , 19:00 Uhr

EVN FORUM
2344 Maria Enzersdorf, Evn Platz

Arbeitszeit: Völlig neues Denken gefordert

Steffi Burkhart, Johannes Kopf und Wolf Lotter diskutieren beim Alois Mock Institut über den Wandel der Arbeitszeitmodelle und die Ansprüche einer neuen Generation

Immer mehr Menschen arbeiten in Teilzeit, vor allem sind es Frauen. Für viele von ihnen sind Teilzeitmodelle der einzige Weg, um neben Kinderbetreuung überhaupt einer Beschäftigung nachzugehen. Damit ist die Teilzeit Chance und Risiko zugleich: Denn zu lange Teilzeit-Phasen führen oft zu Dequalifizierung und der Gefahr von Altersarmut. Die Expertinnen und Experten am Podium der „Trends 2030“ unter dem Titel „Teilzeit: Das neue Vollzeit?“ sehen die Lösung aber nicht darin, : Die Arbeitswelt wandelt sich so grundlegend, dass es ganz neue Antworten und viele individuelle und flexible Lösungen brauchen wird. Denn in der Wissensgesellschaft sind es nicht mehr die stundenbasierten Festanstellungen. Um sich in der dynamischen Arbeitswelt zurechtzufinden, brauchen die Arbeitnehmer der Zukunft vor allem Selbstständigkeit, Eigenverantwortung und Bildung – das betonen sowohl Impulsgeberin Steffi Burkhart wie auch AMS-Chef Johannes Kopf und Wirtschaftsjournalist Wolf Lotter.

„Heute ist das Ziel der jungen Leute nicht mehr, möglichst viele Überstunden zu machen, um sich ein großes Haus und zwei Autos leisten zu können, sondern die Work-Life-Balance steht mehr im Mittelpunkt. Gutes Personalmanagement muss die Leute dort abholen, wo sie stehen“, eröffnete der Präsident des Alois Mock Instituts, Wolfgang Sobotka, den Diskussionsabend im EVN Forum Maria-Enzersdorf.

Das umzusetzen erfordere aber einen Wandel in Kultur und Rahmenbedingungen: „Alles worüber wir hier reden scheitert an zwei Dingen, die uns immer wieder zurück ins Hamsterrad bringen: die Organisation, wie sie heute ist und die Gesetze, die noch aus der Zeit der Industriegesellschaft stammen“, erklärt Wolf Lotter, Mitbegründer des Wirtschaftsmagazins „brand eins“. Dr. Johannes Kopf, Vorstandsmitglied des Arbeitsmarktservice Österreich (AMS) sieht vor allem die Selbstständigkeit gefragt: „Die Fürsorgepflicht der Arbeitgeber wird immer mehr zur Herausforderung, früher hat man die Leute einfach heimschicken können nach Ende der Arbeitszeit, heute passiert so viel von unterwegs und daheim aus, dass das in dieser Form nicht mehr möglich ist. Die Frage ist also, wie wir den Leuten Selbstsorge beibringen.“ Dr. Steffi Burkhart, die als Impulsgeberin für den Wandel der Arbeitswelt aus der Perspektive der jungen Generation aktiv ist, macht gleich zu Anfang auf die Kluft zwischen den Generationen aufmerksam: „Wir dürfen die junge Generation nicht unterschätzen, die in diesem System nicht mehr arbeiten will. Die Projektarbeit steigt enorm an, wir brauchen auch ein anderes Bildungsmodell, das die Menschen wirklich auf die neuen Lebensrealitäten vorbereitet.“

Mag. Sabine Mlnarsky (Erste Group) und Mag. Wolfgang Mayer (EVN) brachten in ihren Impulstatements die Herausforderungen für die Unternehmen durch die steigende Anzahl von Teilzeikräften zur Sprache – einerseits die hohen Kosten und andererseits die Anforderungen an flexible Organisationstrukturen. Auch dazu bezieht das Podium klar Stellung: „Gefährlich sind lange Phasen der Teilzeit, auch aus volkswirtschaftlicher Sicht. Es ist eine gute Möglichkeit vor allem Frauen nach der Karenz rasch wieder zurückzuholen, es geht aber auch darum, die Stunden rasch wieder aufzubauen“, meint etwa Dr. Johannes Kopf. Generell sei es aber denkbar, dass sich durch die fortschreitende Automatisierung die Arbeitszeit in den nächsten Jahrzehnten für alle deutliche reduzieren würde oder die Zahl der geleisteten Stunden nicht mehr die entscheidende Größe sei, so die Experten.

Martin Eichtinger, Landesrat für Wohnbau, Arbeitsmarkt und Internationale Beziehungen, fasst am Ende die wichtigsten Punkte der Diskussion zusammen. „Wir haben einen sehr breiten Streifzug gesehen, zu lange Teilzeit ist schlecht für Unternehmen und Requalifizierung, wir müssen weg von der Stundenbetrachtung zu einer Erfolgsbetrachtung, und – der vielleicht springendste Punkt – die Frage, wie wir bei alldem mit unserem Bildungssystem mithalten.“

Im Gespräch:

  • Dr. Steffi Burkhart (steffiburkhart.com): Die Generationenforscherin, Speakerin, Impulsgeberin auf allen Kanälenund Sprachrohr ihrer Generation
  • Wolf Lotter (wolf-lotter.de): Journalist, Autor und Keynotespeaker, Mitbegründer des Wirtschaftsmagazins „brand eins“
  • Dr. Johannes Kopf (johanneskopf.at): Jurist, Arbeitsmarktexperte, seit 2006 Mitglied im Vorstand  des Arbeitsmarktservice Österreich

Die Einladung zur Veranstaltung „Trends 2030 – Teilzeit: Das neue Vollzeit?“ können Sie hier herunterladen

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