Trends 2030 – Intensivstation Arbeitsplatz? Wie wir die neue Arbeit überleben.

14.05.2018 , 19:00 Uhr

NV Forum der NÖ Versicherung
3100 St. Pölten, Neue Herrengasse 10

 

So überleben wir die neue Arbeit
So digital die Arbeitswelt auch wird – ohne Menschen kommt sie nicht aus. Wie Mitarbeiter in den den neuen Rahmenbedingungen gesund bleiben, diskutierten vier Experten aus Wirtschaft und Gesundheit am Podium der „Trends 2030 – Intensivstation Arbeitspatz?“ des Alois Mock Instituts.

Seite an Seite mit Robotern, gefordert von künstlicher Intelligenz, nur noch in Teilzeit mit flexiblen Arbeitszeiten, und doch ständig erreichbar für die Firma: Das ist ein mögliches Bild der künftigen Arbeitswelt. Wie sich einzelne Arbeitsplätze und –umgebungen verändern werden, lässt sich nicht exakt vorhersagen. Doch fest steht: Die Anforderungen werden komplexer, während die Arbeitnehmer zugleich immer älter werden. Eine herausfordernde Kombination, gerade wenn es um die Gesundheit am Arbeitsplatz geht. Vor allem psychische Erkrankungen sind im Vormarsch, führen immer mehr zu Langzeitkrankenständen und Frühpensionierungen. Die gute Nachricht: Unternehmen, Mitarbeiter und die Politik können etwas tun, um den psychischen Belastungen am Arbeitsplatz entegenzuwirken und Rahmenbedingungen zu schaffen, in denen wir nicht nur gesünder, sondern auch länger arbeiten können. Das zeigten Arbeitspsychologe Karlheinz Sonntag, Arbeitsmedizinerin Eva Höltl, Unternehmer Peter Mitterbauer und Managerin Christina Möller in einer interessanten Diskussion im NV Forum in St. Pölten vor den rund 150 Gästen, die der Einladung des Alois Mock Instituts zur nächsten Ausgabe der bewährten Serie „Trends 2030“ gefolgt sind.

Unternehmen ist längst klar, dass Sie eine Verantwortung für die Gesundheit ihrer Mitarbeiter tragen – allein im Sinne der Leistungsfähigkeit. Doch mit dem Wandel der Arbeitswelt ändern sich auch die Anforderungen an die betriebliche Gesundheitsförderung. „Wenn heute von 90.000 jährlichen Pensionsanträgen rund die Hälfte Anträge auf Berufsunfähigkeitspension sind, der Großteil aufgrund psychischer Erkrankungen, sehen wir deutlich, dass es Handlungsbedarf gibt“, so Arbeitsmedizinerin Eva Höltl. Patentrezepte gibt es keine, das Podium fordert aber ganzheitliche Ansätze. Nicht alles könne ein Unternehmen für sich regeln, es brauche auch entsprechende rechtliche Rahmenbedingungen und Verbesserungen im Gesundheitssystem, damit man etwa nicht „acht Monate auf eine psychiatrische Reha wartet,“ so Höltl.

Psychische Belastungsfaktoren zu erkennen und richtig einzuschätzen wäre ein entscheidender Schritt. Karlheinz Sonntag, Arbeits- und Organisationspsychologe an der Uni Heidelberg, hat dafür ein Bewertungsmodell entwickelt: „Psychische Belastungen sind Einflussfaktoren von außen, die jeder Mitarbeiter unterschiedlich wahrnimmt. Diese neutral einzuordnen ist ein erster Schritt, um negativen Entwicklungen vorzubeugen.“ Denn neben dem Megatrend der Digititalisierung wirkt auch der Megatrend der Überalterung auf unsere Arbeitswelt ein: „Wir werden immer älter, werden noch bis 70 und länger arbeiten. Darin liegt die große Herausforderung, unsere Mitarbeiter vorzubereiten, was in ihrem Arbeitsleben noch alles auf sie zukommt“, so der Experte.

Lohnende Ansätze können flexible Arbeitszeitmodelle, selbstbestimmtes Arbeiten und die Möglichkeit für Auszeiten sein. Besonders gefordert werden auch Führungskräfte sein, die sich auf ganz neue Bedingungen einstellen werden müssen, so die Experten. „Das ist die Herausforderung an die neue Führung, hier individuelle Lösungen zu finden, in der jeder in seiner Komfortzone bleiben kann – soweit es mit den Vorgaben des Unternehmens vereinbar ist“, so Christina Möller von der VAMED AG. In der Praxis ist also jedes Unternehmen gefordert, seinen Weg zu finden. „Wenn jeder von uns so agiert, als wäre er ein eigenständiger Unternehmer, dann haben wir gewonnen“, stellt Peter Mitterbauer von der MIBA AG seinen Ansatz zur Diskussion, der vor allem darauf abzielt, den Mitarbeitern mehr Eigenverantwortung zu übertragen. Wie wichtig die gerade in der Gesundheitsvorsorge ist, betonte Wolfgang Sobotka, Präsident des Alois Mock Instituts, schon in seiner Begrüßung: „Nicht nur die Unternehmer sind gefordert, jeder hat auch eine Eigenverantwortung für seine Gesundheit“, hält er fest.

 

Hier die Fotos vom Abend: