Trends 2030 – Lehre – mehr denn je!

19.03.2018 , 19:00 Uhr

EVN FORUM
2344 Maria Enzersdorf, Evn Platz

Die Lehre braucht mehr als die nächste Imagekampagne

Die Lehre hat ein Imageproblem, oft fehlt den Menschen, die sich für diesen Weg entscheiden, die Anerkennung für ihren beruflichen Weg. Eltern stehen der Entscheidung ihrer Kinder im Weg und drängen diese in eine oft unpassende Richtung. Darin waren sich die Experten am Podium einig. Doris Wagner, Egon Blum, Helmut Dornmayr und Bernhard Heinzlmaier diskutierten  sonst aber durchaus kontrovers über die Zukunftsaussichten der Lehre. Die (ehemaligen) Lehrlinge Manuela Höbart, Friedrich Köck und Thomas Haunold, ergänzten die Diskussion mit Einblicken in ihre beruflichen Werdegänge um die praktische Facette. Fazit des Abends: Die Lehre braucht einen völlig neuen Status – durch neue Begrifflichkeiten, breitere Lehrpläne, bessere finanzielle Anerkennung und überzeugende Role Models. 

„Wir haben acht bis zehn Prozent Jugendliche in NÖ, die keiner Arbeit nachgehen oder sich in keiner Ausbildung befinden – das ist eine hohe Anzahl. Wir müssen diese Jugendlichen dazu bringen aus der Parallelwelt in die erste Welt zurückzufinden“, betont Nationalratspräsident und Präsident des Alois Mock Instituts Wolfgang Sobotka angesichts des heiß diskutierten Themas der Lehre. Stefan Szyszkowitz, Vorstandssprecher der EVN AG, sieht in seinen Grußworten vor allem die Praxis: „Lehrlinge sind eine wesentliche Zukunftsfrage für die EVN-Gruppe. Leider sind bei uns die Lehrlinge hauptsächlich männlich, wodurch wir schon auf die Hälfte der nachwachsenden Generation verzichten müssen“.

Doch worin liegt das Imageproblem der Lehre nun wirklich? „Wir müssen das Wort ‚nur’ in Zusammenhang mit der Lehre streichen und anerkennen, dass jede Ausbildung ihrer Berechtigung hat ­– vor allem müssen das auch die Eltern sehen“, betont Berufsschulinspektorin Doris Wagner. Helmut Dornmayr vom Institut für Bildungsforschung der Wirtschaft verortet drei Bereiche, in denen die Anerkennung für Lehrlinge fehlt: Die Gesellschaft und das niedrige Einkommen, die fehlenden Stipendien vom Staat sowie das Bildungssystem im Ganzen, in dem zu wenig Aufmerksamkeit auf praktische Fähigkeiten gelegt wird. Mag. Bernhard Heinzlmaier (Vorsitzender Institut für Jugendkulturforschung Wien und Hamburg), der für viele heiß diskutierte Aussagen sorgte, sieht das Problem des sozialen Status der Lehre vor allem darin, dass ein Lehrling auf sein praktisches Tun reduziert wird: „Wir dürfen einen Lehrling eben nicht darauf reduzieren, dass er einen Wasserhahn reparieren kann, sondern müssen ihm auch mehr kulturelles Kapital und Wissen mitgeben – so heben wir den Status der Lehre an“. KommR Egon Blum (Lehrlingsbeauftragter unter der Regierung Dr. Schüssel und Dr. Gusenbauer) zieht immer wieder Vergleiche zum Lehrlingssystem in der Schweiz und kritisiert, dass viele Betriebe aufgehört haben auszubilden, weil sie sich die Ausbildung nicht mehr leisten können: „Die Frage ist, wie weit die öffentliche Hand hier bereit ist, zu finanzieren, damit die hohe Ausfallquote von insbesondere kleinen Betrieben nicht noch weiter ansteigt“. Er fordert auch die Einführung einer Zwischenprüfung nach dem zweiten Lehrjahr. Derzeit sei die Lehre die einzige Ausbildung ohne eine einzige verpflichtende Ausbildungskontrolle während der gesamten Ausbildungszeit. 

Generell zeigt sich das Podium über einen zukünftigen Fachkräftemangel sehr besorgt, sollte sich am Image des Lehrberufs in Zukunft nichts ändern. „Lehrabsolventen brauchen sich um die Zukunft sicher keine Sorgen zu machen, wir werden immer genug Fachkräfte brauchen“, betont Dornmayr.

 

Der ausführliche Nachbericht erscheint demnächst im nächsten „Mock Report“.

Hier gibts einige Eindrücke von der Veranstaltung: