Trends 2030 – Lebensräume bauen. Wie der Wohnbau über unsere Zukunft entscheidet.

18.02.2019 , 19:00 Uhr

HYPO NOE Panoramasaal
3100 St. Pölten, Hypogasse 1

Podiumsdiskussion mit:

Gudrun Haindlmaier, Geographin und Regionalforscherin am Austrian Institute for Technology und der Uni Wien
Matthias Horx,  Zukunftsforscher und Gründer des Zukunftsinstituts
Hans Emrich, Raumplaner und Mediator, Emrich Consulting
Josef Mathis, Obmann des Vereins „Zukunftsorte“

 

Nachbericht:

Künftige Lebensräume gemeinsam und aktiv gestalten

Regionalforscherin Gudrun Haindlmaier, Zukunftsforscher Matthias Horx, Raumplaner Hans Emrich und Kommunalpolitik-Pionier Josef Mathis diskutierten auf dem Podium der „Trends 2030“ unter dem Titel „Lebensräume bauen“ im HYPO NOE Panoramasaal in St. Pölten, wie der Wohnbau über unsere Zukunft entscheidet.

Wohnbau kann gesellschaftliche Entwicklungen mitgestalten – aber nur dann, wenn er von den Menschen getragen wird. Gesetze und neue Technologien allein werden nicht ausreichen, um die sozialen Lebensräume der Zukunft zu schaffen. Von der Art zu bauen über Gestaltung von Siedlungen und Orten bis hin zur Anlage von Wohnraum: Flexibilität, temporäre Nutzungskonzepte und stärkere Beteiligung der Bewohnerinnen und Bewohner werden den Wohnbau in Zukunft besonders stark beeinflussen. Die Experten wünschen sich eine Gesetzgebung, die zwar Brennpunkte entschärft (wie etwa die exorbitant steigenden Grundstückspreise in Ballungszentren), vor allem aber Entwicklungen zulässt, anstatt sie zu verhindern.

„Die Herausforderungen im Wohnbau sind mannigfaltig – Wohnungsknappheit sowie steigende Bau- und Grundstückspreise sind nur einige der zentralen Themen, die uns hier beschäftigen und auch in Zukunft beschäftigen werden“, betont Christian Rädler, Obmann des Alois Mock Instituts. Wolfgang Viehauser, Sprecher des Vorstands der HYPO NOE hält fest: „Dieses Thema ist mit der HYPO NÖ untrennbar verbunden. Wir freuen uns, wenn Impuls- und Ideengeber hier Zukunftsfragen diskutieren – besonders auch deshalb, weil wir als Regionalbank unsere große gesellschaftliche Verantwortung, speziell in der Wohnbaufinanzierung, wahrnehmen.“

„Wir leben in Zeiten, die von ständigem Wandel geprägt sind. Wohnbau als gesellschaftspolitische Aufgabe kann und muss Lösungsansätze bieten, wie auch in Zukunft Leben und Wohnen aussehen können“, erklärt Dr. MMag. Gudrun Haindlmaier vom Institut für Geographie und Regionalforschung. Für DI Hans Emrich, Msc, Raumplaner und Leiter des Ziviltechnikerbüros Emrich Consulting, ist es wichtig, auch den sozialen Aspekt bei der Wohnraumfrage nicht zu vergessen: „Bei solch einer starken Veränderung ist es wichtig, nicht nur in die Hardware – also Wohnungen und den öffentlichen Raum – zu investieren, sondern auch in die Software. Wir müssen Menschen dazu einladen, sich einzubringen und dafür braucht es gewisse soziale Rahmenbedingungen.“ Trend- und Zukunftsforscher Matthias Horx plädiert dafür, die Angebote des Wohnens an das Leben anzupassen. „Die Frage ist immer auch, wie soziale Beziehungen mit dem Wohnbau korrelieren – Wohnbau als Angebot von Oben kann immer nur ein Teil sein“, erklärt er. Für den langjährigen Bürgermeister Josef Mathis, heute Obmann des Vereins „Zukunftsorte“, ist die Raumplanung das wesentlichste Gestaltungselement. „ Wir müssen die öffentlichen Räume besser aufteilen. Gerade die Ortskerne sind entscheidende Bereiche, die gezielt entwickelt werden müssen. Da braucht es Verantwortliche. Es wäre durchaus vorstellbar, solche „Ortskernkümmerer“ in Projekten auch temporär finanziell zu unterstützen“, meint er.

In seinem Resümee betont Wohnbaulandesrat Martin Eichtinger: „Die Wohnungen des Landes Niederösterreich sind deswegen so günstig, weil wir punktgenau fördern. Wir wissen, welche hohen Ansprüche wir bei neuen Wohnungen erfüllen müssen, um die hohe Lebensqualität zu erhalten. Derzeit erarbeiten wir eine neue Wohnbaustrategie, mit der wir auf die zukünftigen Entwicklungen schon rechtzeitig eingehen. Wir stellen den Wohnbau in Niederösterreich zukunftsfit auf“, so Eichtinger. Einige Erkenntnisse aus der Diskussion möchte er dabei einfließen lassen. „Wir müssen den Austausch unter den Gemeinden bei der Siedlungsentwicklung fördern, Vorzeigebeispiele anderen Gemeinden noch stärker vorstellen und innovative Ideen weitertragen. Denn die Bürgermeisterinnen und Bürgermeister haben heute schon mächtige Instrumente an der Hand, die richtig eingesetzt viel bewirken können, hier wollen wir bestmöglich helfen“, so der Landesrat.