Neu führen. Aber wie? Erfolgreiches Leadership im digitalen Wandel.

19.11.2018 , 19:00 Uhr

NH Vienna Airport Conference Center - Saal Europa 1
1300 Flughafen Wien, Einfahrtsstraße 1-3, 1300 Flughafen Wien - Schwechat

Podiumsdiskussion mit:

Judith Girschik, Business Coach und Mediatorin, Leadership Institute
Hubertus Lindner, ehemaliger Manager, Bergführer & Inhaber der Bergschule Lechtal (Tirol)
Ali Mahlodji, Gründer von whatchado
Thomas Olbrich, CCO bei karriere.at

 

Nachbericht:

Mittleres Management in der modernen Arbeitswelt: Arbeiten in der Knautschzone

„Trends 2030: Neu führen. Aber wie?“ des Alois Mock Instituts stellten die Rolle von und Anforderungen an Führungskräfte in einer dynamischen Arbeitswelt in den Fokus. Fazit: Soziale Kompetenz ist Trumpf, doch Patentrezepte gibt es keine.

Neue Führungskonzepte sind in aller Munde: Agil, partizipativ, dynamisch – so sollte der Führungsstil sein, glaubt man den Trendsettern in der Arbeitswelt. In der Realität geht es aber nicht darum, dem nächsten Trend nachzulaufen, sondern die Führung an den Rahmenbedingungen zu orientieren. Am Podium der „Trends 2030“, wo Business-Coach, Bergführer, Startup-Gründer und Personalmanager zusammentrafen, wurde schnell klar: Es sind nicht Technologien und Strukturen, die Führung herausfordernd machen, sondern die Menschen. Denn in der neuen, digitalen und flexiblen Arbeitswelt werden individuelle Bedürfnisse der Mitarbeiter wichtiger. Gerade das sogenannte „Mittlere Management“ erhält damit eine ganz neue Aufgabe: Nämlich die, unterschiedlichste Anforderungen, Ansprüche und Führungskonzepte zu vereinen. In der Sandwich-Position zwischen Top-Management und Mitarbeitern sind vor allem soziale Kompetenzen gefragt, waren die Experten einig. Damit ließen sich die herausfordernden Aufgaben am besten lösen.

 „Das mittlere Management wird in der Diskussion vernachlässigt: Die Herausforderungen für diese Berufsgruppe werden oft vergessen, das wollen wir ändern“, erklärt Christian Rädler, Präsident des Alois Mock Instituts angesichts der Diskussion zur Frage, was gute Führung ausmacht. Günther Ofner, Vorstandsdirektor der Flughafen Wien AG, betont vor allem die Wichtigkeit der persönlichen Motivation der Mitarbeiter: „Gute Führung ist die Verantwortung, dass sich die Arbeitswelt mit der persönlichen Lebenswelt der Mitarbeiter deckt – wenn das gelingt, wird Führung plötzlich sehr einfach“. Landesrat Martin Eichtinger stellt insbesondere die Unerlässlichkeit einer fundierten Ausbildung in den Vordergrund: „Im Zentrum steht immer der Mensch, der durch die Digitalisierung und viele andere Faktoren herausgefordert ist – auch dafür brauchen wir eine exzellente Ausbildung.“

Den Menschen stellten auch die Experten am Podium in den Mittelpunkt. „Gelungene Führung zielt in erster Linie auf Menschen ab. Probleme, die bei Führungspersönlichkeiten aufkommen, haben auch heute so gut wie immer mit direkter, persönlicher Interaktion und nicht mit Fragen der Digitalisierung oder Technik zu tun “, erzählt Leadership und Business-Coach Prof. Dr. Judith Girschik aus ihrer Praxis. Mag. Hubertus Lindner, staatlich geprüfter Ski- und Bergführer und Leiter der Bergschule Lechtal in Tirol, betont, wie wichtig es sei, sich selbst zu kennen, um andere gut führen zu können. Er kennt zudem die Schwierigkeiten des mittleren Managements aus persönlicher Erfahrung: „Man hat das Gefühl, dass man in einer Knautschzone lebt: Einerseits muss man das Team am Laufen halten und darf die Leute nicht in Arbeit begraben, andererseits muss man dem Top-Management das Gefühl geben, dass alles läuft – ohne dabei von vornherein zu lügen.“ Ali Mahlodji BSC, Co-Founder von whatchado.com, sieht die Führungskräfte vor allem durch eines gefordert: „Die Bedürfnisse der Menschen waren und sind dieselben. Aber heutzutage hat die Frage, was jedem und jeder persönlich wichtig ist, viel mehr Relevanz.“ Mag. Thomas Olbrich, CCO bei karriere.at, meint, dass es heute vor allem auf die gut verbrachte Lebenszeit ankommt: „Deshalb ist es wichtig, als Führungskraft eine Inspiration zu sein. Man sollte nicht nur nach dem Erreichen eines Ziels streben, sondern auch darauf achten, wie man die Dinge tut.“

Die Diskussion identifizierte zahlreich Herausforderungen für Führungskräfte und stelle moderne Managementkonzepte auf den Prüfstand. Wer sich ein Patentrezept für die Führung von morgen erwartet hat, wurde aber enttäuscht: „Es gibt keinen Führungsstil der immer der Richtige ist – eine gute Führungskraft muss immer situativ agieren“, betont Judith Girschik. Auch deshalb werden Algorithmen das Management noch länger nicht erobern – meint (und hofft) das Podium geschlossen. Die Führungskräfte von morgen werden sich also den neuen Herausforderungen selbst stellen müssen.