Salongespräch in der Wachauarena Melk

12.06.2017 , 18:00 Uhr

Wachauarena Melk
3390 Melk, Rollfährestraße 1

Die Bartholomäusnacht & das Europa von heute: Ein Gespräch über das Überwinden von Gräben und die Suche nach dem verlorenen Optimismus.

Europa braucht Identität, Optimismus und Handlungsfähigkeit

Wolfgang Schüssel, Rudolf Taschner und Wolfgang Sobotka diskutierten beim Salongespräch des Alois Mock Instituts zum Thema „Die Bartholomäusnacht & das Europa von heute“: Ein Gespräch über das Überwinden von Gräben und die Suche nach dem verlorenen Optimismus.

Die Bühne der Melker Sommerspiele, auf der das Ensemble heuer die „Bartholomäusnacht“ zum Besten gibt war der imposante Schauplatz der ersten Salongespräche des Alois Mock Instituts. Vor dem Hintergrund des tragischen Stoffs des Stücks diskutierten Bundeskanzler a.D. Wolfgang Schüssel, Mathematiker und Autor Rudolf Taschner und Instituts-Präsident Innenminister Wolfgang Sobotka, wie das Europa von Morgen seine Krisen bewältigen, Gräben überwinden und seine gemeinsame Identität festigen kann. Zu einem denkwürdigen Zeitpunkt, am Tag vor dem Requiem des verstorbenen Alois Mock, gedachten die über 200 Besucher auch dem großen Österreicher und Europäer.

Alois Mock ist eine Persönlichkeit die zu tiefst als Vorbild geprägt hat. Er ist den Menschen mit Respekt und Achtung begegnet. Alois Mock kennt man vor allem als Politiker der Österreich nach Europa geführt hat. Er hat in seiner Laufbahn fast alle Ämter durchlaufen und besonders wichtig war ihm immer der Kontakt zu den Menschen. Alois Mock hat immer über Legislaturperioden hinaus Themen gesetzt und auch ganz bewusst forciert. Das Alois Mock Institut ist in ganz besondere Weise genau dieser Haltung verpflichtet und treibt daher Themen voran die nicht nur aus der Aktualität heraus wichtig sind, sondern auch Themen die nachhaltig das menschlich Zusammenleben verändern, prägen und uns begleiten.

Die Diskussion unter Moderation von Gerald Groß brachte eine Vielzahl an Denkanstößen zur Zukunft Europas und lud zum Nachdenken ein. Nicht zuletzt das Prinzip der Einstimmigkeit ist dafür verantwortlich, dass die Handlungsfähigkeit Europas gerade in herausfordernden Fragen an ihr Grenzen stößt. Die vorhandenen Regeln einzuhalten und die Balance zwischen Freiheit und Verantwortung zu finden, hält das Podium für unabdingbar. Rudolf Taschner spricht von einer prekären Lage Europas – vor allem im Zusammenhang mit der rasch wachsenden Bevölkerung am afrikanischen Kontinent und dem Migrationsdruck. Wolfgang Schüssel fordert in dem Zusammenhang zum Handeln auf: „Die Antwort heißt jetzt: Investitionen in die Zukunft unserer Nachbarstaaten, Hilfe für die internationalen Organisationen und Flüchtlingsorganisationen, World for Food Program, Vereinte Nationen sowie Visionen und Persönlichkeiten, die an einen Strang ziehen. Es führt daran kein Weg vorbei“, so der ehemalige Bundeskanzler.

Dazu brauche es nicht nur die strukturellen Voraussetzungen, sondern auch Zusammenhalt und eine gemeinsame Identität. Die Tradition in Europa scheint langsam und sicher verloren zu gehen und dies ist eine große Gefahr. Wir müssen auf den Wurzeln aufbauen und uns stützen – diese sind Jerusalem, Athen und Rom“, sagt Taschner deutlich. Schüssel warnte in dem Zusammenhang davor, die EU mit verschiedenen Themen zu überfrachten: „ Die Union muss sich jetzt auf die aktuellen Entwicklungen in der Welt konzentrieren, die sich noch keiner, weder im gesetzgebenden Rahmen noch in der politischen Strategie-Perspektive überlegt hat.

Optimismus: „Die EU ist der einzige „Leuchtturm“, der etwas verwirklicht das es sonst auf der Welt nicht gibt – sozialer Zusammenhalt, eine wirtschaftliche Erfolgsbilanz, eine juristische Rechtsstaatlichkeit, einen Rahmen von Toleranz und Rechtssicherheiten.“