COMEBACK im JOB. Neue Wege im Beruf nach und mit Krankheit

11.12.2017 , 19:00 Uhr

Studio 44
1030 Wien , Rennweg 44

Comeback im Job: Was kann getan werden, um den Wiedereinstieg nach Krankheit zu erleichtern?

Das Alois Mock Institut lud zur letzten „Trends 2030“ dieses Jahres ins Studio 44 der Österreichischen Lotterien. Diesmal diskutierten Experten und ein persönlich Betroffener zum Thema „Comeback im Job“. Was kann getan werden, um einen Wiedereinstieg nach einer Erkrankung zu erleichtern? Und: Wie kann von präventiver Seite aus gehandelt werden?

Es muss ein Umdenken stattfinden. Darin waren sich die Experten am Podium einig. Menschen, die mit chronischen Erkrankungen oder einer Behinderung zu kämpfen haben, können für ein Unternehmen auch große Benefits bringen. Dennoch ist der Wiedereinstieg oft schwer. Einzelfälle müssen Barrieren im Kopf beseitigen und wir müssen lernen, zu sehen was die Menschen können – anstatt immer daran festzuhalten, was sie nicht können.

„Es ist ein Thema das vielleicht nicht alltäglich ist, aber dennoch sehr wichtig! Speziell in der Arbeitswelt gibt es Herausforderungen für Menschen mit chronischen Erkrankungen oder Behinderungen, die sich der Rest der Bevölkerung nur schwer vorstellen kann“, betont Christian Rädler, Obmann des Alois Mock Instituts, in seinen Grußworten.

Walter Troger, Geschäftsführer der VAMED Standortentwicklung und Engineering GmbH, unterstrich im Namen der VAMED die Wichtigkeit dieses Themas. Er betonte als wesentlichen Bestandteil auch die Rehabilitation auf psychischer Ebene. „VAMED hat hier vor rund 8 Jahren mit der Eröffnung des Sonnberghofes einen wesentlichen Meilenstein gesetzt. Wir haben ein Therapiekonzept, das auch auf die psychische Gesundung der Patienten Rücksicht nimmt“, meint Troger. Wesentlich sei aber immer auch die Eigenverantwortung und Prävention.

Alexander Biach, Vorstandsvorsitzender des Hauptverbands der österreichischen Sozialversicherungsträger, brachte gleich zu Beginn Zahlen und Fakten, die zeigen, wie viel wir aus volkswirtschaftlicher Sicht an Geldern liegen lassen, wenn wir uns nicht um die Wiedereingliederung von Menschen mit chronischen Krankheiten oder Behinderungen bemühen. Er spricht sich vor allem für die Forcierung präventiver Maßnahmen aus, fordert aber auch, die Servicebelange zu erleichtern. „Auch die Eigenverantwortung jedes Einzelnen ist gefragt“, meint Biach.

Dr. Karin Klees leitet das arbeitsmedizinische Zentrum der VAMED in Kapfenberg und betont, dass die Betriebe viel zu oft allein gelassen werden. Es gehe um ein gut abgestimmtes Miteinander von Unternehmen und Patient, das auch unterstützt wird.

Thomas Geierspichler beleuchtet das Thema aus Sicht der Betroffenen. Trotz seiner offenen und ehrlichen Art, mit der er das Podium immer wieder auflockert, ist ihm die Ernsthaftigkeit hinter diesem Thema besonders wichtig. So betont er einerseits die Eigenverantwortung jedes Einzelnen: „Für mich war die einfachste Möglichkeit in Richtung Sport zu gehen – da lernt man, Grenzen zu überwinden und kann das auch auf’s Leben umlegen“. Jeder brauche aber unterschiedlich lange, um wieder zurückzukehren und darauf müsste in unserem System noch mehr Rücksicht genommen werden.

Dr. Irene Kloimüller, Leiterin des Programms „fit2work“ der Bundesregierung, fordert insbesondere eine bessere Verschränkung von Arbeit und Rehabilitation. Für sie ist die Teilzeit bei Wiedereingliederung ein Erfolgsmodell. „Die Betriebe greifen wirklich auf dieses Modell zu“, sagt Kloimüller.

Dr. Thomas Czypionka, Mediziner und Ökonom, betont, dass mittlerweile schon jeder zweite Erwerbstätige betroffen sei, weil die Lebenserwartung steigt. „Wir müssen einen Bewusstseinswandel und einen kulturellen Wandel erreichen“, meint er. Wichtig ist ihm auch, präventiv einzugreifen, weil die Dauer, die wir im Arbeitsprozess sind, immer länger wird.

Einig ist man sich am Podium auf jeden Fall, dass zwar schon viel getan wurde, aber immer noch viel getan werden muss. Es geht vor allem darum, aufzuzeigen, wie viel Unternehmen von Menschen, die eine schwere Zeit hinter sich haben, profitieren können und die Barrieren – sowohl auf körperlicher, als auch auf geistiger Ebene – zu beseitigen.

 

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